Räder aus den 80ern, skurril und futuristisch – das "Sprick Comfortable"

Der futuristische Flop – das „Sprick Comfortable“ passte in die 80er Jahre, jedoch blieben die Verkaufszahlen dieses Designklassikers hinter den Erwartungen zurück.

Es ist eigentlich ein normaler Septembertag. Wir schreiben das Jahr 1982. Auf der internationalen Fahrradausstellung in Köln tummeln sich Fahrradliebhaber aus ganz Deutschland. Sie bestaunen die Neuerscheinungen.

Doch ein Objekt gibt es, das besonders viel Interesse auf sich zieht. Dieses Ding mutet sehr futuristisch an. Designt wurde es von einem Mann, der später sagen wird: „Mehr und mehr zeigt sich, dass Design zu einem der entscheidendsten Faktoren für die Zukunft von Produkten und Marken wird.“

Colani-Rad

Damals wurden die Weichen gestellt. Bei dem futuristischen Objekt handelt es sich um das Spricks Comfortable, das heute meist schlicht „Colani-Rad“ bezeichnet wird. Designt wurde das Fahrrad von Odo Klose. Es wurde damals von Zeitungen als „zukunftsweisendste Entwicklung der letzten Jahrzehnte“ angepriesen.

Das Rad war seiner Zeit voraus. Die Gfk-Räder bestanden aus Kunststoff, der Glasfaser verstärkt war. Die Reifen waren schlauchlos und es hatte einen kleinen Kofferraum, der abgeschlossen werden konnte.

Weiterhin war es ein Unisex-Rad. Der Rahmen war weder einem Damen- noch einem klassischen Herrenrad zuzuordnen. Der Lenker erinnerte an das Lenkrad eines Flugzeugs und wurde deshalb Flugzeuglenker genannt.

Besonders der Sicherheitsaspekt stand bei der Entwicklung im Vordergrund. Die Kette war in einem geschlossenen Kettenkasten. Es gab auch Halogenscheinwerfer und sogar ein Rücklicht, das noch im Stand weiterleuchtete. Weiterhin ein Schloss im Rahmen, einen Abstandhalter und sogar einen Reflektor am Gepäckträger.

Das Design-Rad wird patentiert

Kein Wunder, dass dieses Fahrrad schließlich von seinem Erfinder zum Patent angemeldet wurde. Odo Klose, der damals eine Professur für Industriedesign an der Universität Wuppertal innehatte, ließ sich dieses Fahrrad 1983 patentieren. Eine Besonderheit war hierbei, dass das Fahrrad einen Doppelrahmen besaß, der aus zwei parallelen Rohren bestand, die nebeneinander verliefen.

Sprick produziert in Serie

Hergestellt wurde dieses Fahrrad daraufhin von der Sprick GmbH in Gütersloh. In drei Jahren der Produktion wurden etwa 20.000 Stück verkauft. Allerdings blieb der erwartete Erfolg auf dem Markt aus. Deshalb sank der Preis bis fast auf die Hälfte. Das Spricks Comfortable wurde schließlich verramscht.

Wenig praktikabel

Auf den Hype folgte eine Ernüchterung. Die großartigen Neuerungen waren in den meisten Fällen nicht so praktisch, wie angedacht. Die schlauchlosen Reifen konnte man nicht mehr, wie üblich flicken. Schadhafte Reifen mussten, analog zum Autoreifen, gänzlich gewechselt werden.

Die groß beworbene „Torpedo-Gangschaltung“ war eigentlich von minderwertiger Qualität und die angepriesene Klingel war eine ganz normale Fahrradklingel. Trotz des Verzichts auf einen Metallrahmen, wog das Fahrrad etwa 20 Kilogramm. Auch das Fahrgefühl hielt nicht, was es versprach.

Flop und Schwachstellen

Die Verarbeitung der Spricks Comfortable ließ auch zu wünschen übrig. Das hatte zur Folge, dass Feuchtigkeit eindringen konnte. Dadurch korrodierte die Rahmenverschweißung und brach auf.

So stellte sich dieses futuristische Objekt als ein Flop heraus. Für Fahrradliebhaber gibt es aber heute immer noch einige Spricks Comfortables auf dem Gebrauchtmarkt, denn damals wurden sehr viele hergestellt.

Mit Preisen zwischen 150 und 350 Euro liegt deshalb kurioserweise der Preis heute in etwa bei dem damaligen Verkaufspreis. Im Internet wird dieses Fahrrad manchmal als Colani-Rad verkauft. Denn etwa zur selben Zeit entwarf damals Luigi Colani ein Rennrad und es kam zu Verwechslungen. Dieser Namen haftet dem Rad bis zum heutigen Tage an.

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