Autonomes Fahren: Die Mobilität der Zukunft?

Was ist autonomes Fahren und wie funktioniert es? Im Englischen bezeichnet man das autonome Fahren auch als „self driving“ oder „autonomous driving“. Per Definition steht autonomes Fahren für das vollständig automatisierte Bewegen eines Fahrzeuges ohne Fahrer oder Fahrerin. Häufig spricht man daher auch vom sogenannten automatisierten Fahren, denn hier greifen unterschiedliche Assistenzfunktionen in Beschleunigung, Lenkung und das Bremsen ein.

In diesem Beitrag gehen wir auf die Funktionsweise und die fünf Level des automatisierten Fahrens ein. Außerdem verraten dir, welche Vor- und Nachteile dich durch diese neue Technik erwarten.

Wie funktioniert autonomes Fahren?

Voraussetzung für das autonome Fahren ist, dass die autonomen Fahrsysteme ihre Umgebung und ihr Umfeld erkennen, interpretieren und darauf reagieren. Hierbei finden verschiedene Systeme Anwendung, die die entsprechenden Signale erfassen. Neben Kameras gehören auch Lidar-, Radar-, Ultraschall- und Lasersensoren dazu. Die Position des Fahrzeuges wird dabei durch GPS-Satellitendaten überwacht. Außerdem kommen Radarsysteme zum Einsatz, mit denen sich die Entfernung zwischen Objekten und Fahrzeugen ermitteln lässt. Den zweiten technischen Bereich bilden die sogenannten Aktoren. Sie sind für die Steuerung des Motors, die Lenkung und das elektrische Bremsen verantwortlich. Koordiniert werden diese beiden Systeme über Computer. Auf diesen befinden sich spezielle Programme, die zunehmend laufen und sich selbst weiterentwickeln. Das nennt man auch maschinelles Lernen.

Level 0 bis 5: Die verschiedenen Stufen beim autonomen Fahren

Nicht nur beim Elektroauto liest man immer wieder von den Begriffen „Level 0“, „Level 1“, „Level 2“ und Co. Auch beim autonomen Fahren finden sie häufig Verwendung. Dahinter verbergen sich die einzelnen Stufen auf dem Weg zum autonomen Fahren. Die Level unterliegen dabei einer Norm, der „SAE J3016“. Eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Amerika hat diese Bezeichnung erstmals auf den Markt gebracht. Sie soll das autonome Fahren in einem 5-Level-System klassifizieren und definieren. Näheres zu den verschiedenen Stufen des autonomen Fahrens erfährst du im Folgenden:

  • Level 0: Das Fahrzeug verfügt über keinerlei Automation. Der Fahrzeughalter oder die Fahrzeughalterin lenkt, beschleunigt und bremst eigenhändig.
  • Autonomes Fahren Level 1: Das Fahrzeug ist mit einzelnen unterstützenden Systemen ausgestattet. Hierzu zählen das Antiblocksystem, kurz ABS, oder das elektronische Stabilitätsprogramm, kurz ESP. Beide Systeme greifen selbstständig ein.
  • Autonomes Fahren Level 2: Automatisierte Systeme wie beispielsweise der Spurhalteassistent übernehmen einzelne Aufgaben. Hierzu zählen auch die adaptive Geschwindigkeitsregelung und die automatische Notbremsung. Dabei behält der Fahrer oder die Fahrerin allerdings weiterhin die volle Verantwortung über das Fahrzeug.
  • Autonomes Fahren Level 3: Das Fahrzeug kann über bestimmte Streckenabschnitte selbstständig beschleunigen, lenken und bei Bedarf bremsen. Das System fordert den Fahrer oder die Fahrerin dabei regelmäßig dazu auf, die Kontrolle zu übernehmen.
  • Autonomes Fahren Level 4: Bei Level 4 kann das Auto im Normalbetrieb komplett autonom fahren. Der Fahrer oder die Fahrerin hat allerdings jederzeit die Möglichkeit in das Geschehen einzugreifen.
  • Autonomes Fahren Level 5: Das automatisierte Fahren auf Level 5 erlaubt keinerlei Eingreifen mehr.

Wie ist der aktuelle Stand der Technik?

Nicht nur die klassischen Autohersteller und Zulieferer mischen beim autonomen Fahren mit, sondern auch Tech-Unternehmen, Elektronikkonzerne und zahlreiche Start-ups. Verständlich, denn schließlich möchten sich jeder ein Stück von diesem Kuchen sichern. Zusammen prägen sie maßgeblich den Entwicklungsstand.

Als Marktführer im Bereich des autonomen Fahrens gelten aktuell Waymo und Cruise. Letzteres ist ein Tochterunternehmen von General Motors und hat Anfang Februar nach jahrelanger Entwicklung einen Robotaxi in San Francisco gestartet. Dieses Taxi fährt komplett ohne menschliches Eingreifen und somit völlig autonom. Waymo hingegen ist eine Google-Tochter und versucht sich ebenfalls in Robotaxis. Waymo setzt aktuell jedoch noch auf Sicherheitsfahrer. In Arizona hat das Unternehmen aber auch schon einige fahrerlose Taxis im Einsatz.

Auch das zum Chiphersteller Intel gehörende Unternehmen Mobileye lebt sich im Bereich des autonomen Fahrens bereits aus. Gemeinsam mit dem bekannten deutschen Autovermieter Sixt plant es einen Fahrdienst auf Level 4 des automatisierten Fahrens. Nicht zu vergessen ist auch der riesige chinesische Tech-Konzern Baidu. Auch er gilt bei dieser Technologie als weit fortgeschritten und transportiert bereits zahlreiche Menschen in seinen Robotaxis. Zu guter Letzt möchten wir aber auch noch Tesla, Audi, Mercedes, VW, Bosch, Aurora, Amazon (Tochter Zoox) und Huawei erwähnen. Sie sind ebenfalls sehr weit fortgeschritten im Bereich der autonomen Fahrsysteme.

Pro & Contra: Vorteile, Nachteile und ethische Bedenken beim autonomen Fahren

Das autonome Fahren bringt neben zahlreichen Vorteilen auch einige Nachteile sowie ethische Bedenken mit sich. Näheres dazu im Folgenden.

Autonomes Fahren: Pro und Contra

Vorteile des autonomen FahrensNachteile des autonomen Fahrens:
  • Generelle Unfallvermeidung
  • Reduzierung von volkswirtschaftlichen Schäden
  • höhere Mobilität
  • kürzere Steh- und Wartezeiten
  • geringerer Kraftstoffverbrauch
  • hoher Fahrkomfort
  • hoher Aufwand für den Gesetzgeber
  • erhöhtes Verkehrsaufkommen durch höhere Mobilität
  • technische Fehler in standardisierten Systemen führen mitunter zu vermehrten Unfällen
  • Hackerangriffe nicht ausgeschlossen

Diese Chancen bringt das autonome Fahren mit sich

Der große Vorteil des autonomen Fahrens besteht darin, dass keine Personen nötig sind, um das jeweilige Fahrzeug zu bewegen. So agieren die Fahrzeuginsassen und Fahrzeuginsassinnen wie passive Bahnfahrende. Ebenso erwähnenswert ist das sogenannte Valet-Parking. Diese Technologie sorgt dafür, dass du dein Fahrzeug in Zukunft nicht mehr selbst abstellen und einparken musst. Stattdessen sollen sich die Autos eigenständig auf die Suche nach einer geeigneten Parklücke machen und anschließend selbstständig einparken. Außerdem haben fahrerlose Fahrzeuge eine deutlich kürzere Reaktionszeit als von Menschen geführte Autos.

Ethische Bedenken zum autonomen Fahren

Im Nachfolgenden bekommst du einen kleinen Einblick in die Positionen der eingesetzte Ethik-Kommission des ehemaligen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt:

  • Aus ethischer Sicht sind autonome Fahrzeuge nur dann vertretbar, wenn sie deutlich weniger Unfälle verursachen als menschliche Fahrende.
  • Der Schutz des menschlichen Lebens muss an oberster Stelle stehen. Sofern Personenschäden beinahe gänzlich vermieden werden, sind Tier- und Sachschäden hinzunehmen.
  • Fahrzeuge, die autonom fahren, müssen so programmiert sein, dass sie durchgehend defensiv fahren.
  • Das Fahrzeug muss automatisch erfassen, wer in welcher Situation für die Aufgabe des Fahrens zuständig war, also Computer oder Mensch.
  • Der Fahrer oder die Fahrerin muss selbst darüber entscheiden können, ob er oder sie seine/ ihre Daten weitergeben möchte (Datenschutz).

Automatisiertes Fahren: Rechtliche Grundlagen

Das Gesetz zum autonomen Fahren gestattet in Deutschland örtlich begrenzt Fahrzeuge ohne fahrende Person. Hierunter fallen neben dem Shuttle-Verkehr und der Personen- sowie Güterbeförderung auf der ersten und letzten Meile auch das vollautomatische Einparken. Demnach dürfen laut Gesetz zum autonomen Fahren beispielsweise auf Flughäfen fahrerlose Fahrzeuge Passagiere und Waren transportieren. Dabei bleibt die Haftungsregel wie gehabt: Kommen beim Betrieb autonomer Fahrzeuge Menschen oder Gegenstände zu Schaden, haftet die Kfz-Haftpflichtversicherung. In erster Linie ist jedoch immer noch der Fahrzeughalter beziehungsweise die Fahrzeughalterin verantwortlich.

Hinweis: Abgesehen von den eben erwähnten Ausnahmen, ist vollständig autonomes Fahren bis dato in noch keinem Land der Welt erlaubt.

Autonomes Fahren in der Praxis

Zuletzt möchten wir dir noch einen kleinen Einblick darüber geben, wie sich das autonome Fahren in naher Zukunft voraussichtlich weiterentwickelt. Erfreulicherweise gibt es bereits zum heutigen Stand in der Forschung und Entwicklung jede Menge Erfolge. Doch nun kommen wir zur weniger erfreulichen Nachricht: In der Realität geht es auf den Straßen weitaus schleppender voran. Dies kannst du auch der aktuellen Studie des Prognos-Forschungsinstitutes entnehmen. Klar ist, dass sich das automatisierte Fahren nur langsam durchsetzen wird. Das liegt auch daran, dass Autos durchschnittlich rund 20 Jahre im Einsatz sind. Dadurch machen sich neue Technologien wie selbstfahrende Autos erst nach und nach im Gesamtbestand bemerkbar.

Schenkt man der Prognos-Studie Glauben, wird der Anteil von autonomen Fahrzeugen von mickrigen 2,4 Prozent (2020) auf bis zu 70 Prozent (2050) steigen. Bereits ab dem Jahr 2030 sollen demnach die ersten völlig autonomen Autos auf den deutschen Straßen unterwegs sein.

Doch bis eine größere Anzahl an selbstfahrenden Fahrzeugen zum Verkauf bereitsteht, vergehen nochmal rund 10 Jahre. Im Jahr 2040 sollen wir laut Prognosen dann tatsächlich völlig autonom, also mithilfe selbstfahrender Autos, von A nach B kommen.

Weitere umfassende Informationen zu den Themen Nachhaltigkeit, Auto und Kfz-Versicherung findest du auch in unseren anderen Artikeln:

Verwendete Fotos:
1. Bild ©AdobeStock_162980569, metamorworks
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