Das Leben und die Karriere des spanischen Radrennfahrers Federico Bahamontes

Wer sich die Geschichte der Tour de France und insbesondere die spanische Fahrradsportszene ansieht, wird zwangsläufig über einen Namen stolpern: den „Adler von Toledo“ – Federico Bahamontes. Besonders seine exzentrischen Auftritte im Profitrikot geben einigen Grund, das Leben und die Karriere dieses Mannes näher zu beleuchten.

Karrierebeginn und Erfolge

Im Jahre 1928 erblickte Bahamontes in Santo Domingo, in der Nähe von Toledo, das Licht der Welt. Hier soll er bereits in frühester Kindheit mit seinem Fahrrad den Weg zum Wochenmarkt in Toledo zurückgelegt haben und oftmals schwer bepackt gewesen sein. Dies wird in seiner Historie oft als der Grundstein seines späteren Erfolges genannt, denn ohne die schwere Beladung des Drahtesels soll er mit teils enormen Geschwindigkeiten die Berge und Pässe überwunden haben.

14 Minuten Vorsprung am Berg!

Zunächst im Amateursport beheimatet, fiel Bahamontes nicht immer mit Spitzenleistungen auf, wodurch er erst verhältnismäßig spät, im Jahre 1954 mit 25 Jahren, zu den Radsportprofis stieß. Bereits in diesem Jahr durfte er an seiner ersten Frankreich-Rundfahrt teilnehmen und sollte sogleich in die Geschichtsbücher der Tour-de-France eingehen. Während der 18. Etappe fuhr sich Bahamontes einen gewaltigen Vorsprung bei der Bergetappe heraus, sodass er mit einem Polster von 14 Minuten auf das Verfolgerfeld am Remeyère-Pass ankam.

Am Berg konnte ihm keiner das Wasser reichen

Immer wieder kommen die Geschichten auf, die Bahamontes Überlegenheit am Berg bekräftigten und teilweise ganze Fahrerfelder hinter Bahamontes zurückließen. Seither ranken sich diese Geschichten und Mythen um den „Adler von Toledo“. Die eine immer wieder erzählte Geschichte ist die eines Eis schleckenden Bahamontes, der sich während eines Rennens eine lange Pause gönnt.

Einige Zeitzeugen behaupten Bahamontes hatte eine Beschädigung an seinem Rennrad erlitten, sodass er pausieren musste, um auf Reparaturhilfe zu warten. Andere behaupten er habe lediglich Durst verspürt. Übereinkommend wird jedoch berichtet, dass Bahamontes von seinem Rad stieg, einen Eisverkäufer am Streckenrand aufsuchte, genüsslich sein Eis verzehrte und erst nach Ankunft des Verfolgerfeldes die Abfahrt gemeinsam antrat.

Sieger der Tour de France 1959

Diese und weitere Geschichten regen zweifelsohne zum Schmunzeln an, brachten ihm jedoch auch einige Kritik ein, da er seinen Fokus oftmals lediglich auf die Bergwertungen legte, Gesamtsiege aber allzu oft aus den Augen verlor. Da Bahamontes in seiner aktiven Zeit die Bergetappen beherrschte wie kein Zweiter, wurde ihm der Spitzname „der Adler von Toledo“ zugesprochen.

Die genannte Kritik ging jedoch nicht spurlos an ihm vorbei, sodass er im Jahre 1959 während der gesamten Tour-de-France, unter Zuhilfenahme anderer Fahrer die sich gegenseitig behinderten, die Konzentration hochhalten konnte und am Ende als erster spanischer Radprofi überhaupt, den Gesamtsieg einfahren konnte. Dies sollte auch der größte Titel seiner Karriere bleiben, da er die Frankreich-Tour kein weiteres Mal gewinnen konnte.

Neben dieser größten Errungenschaft können folgende Meilensteine in seiner Vita vermerkt werden:

  • 6x Gewinn der Bergwertung der Tour-de-France (1954, 1958 + 1959, 1962 – 1964)
  • 7 gewonnene Etappen der Tour-de-France
  • 2 gewonnene Bergwertungen der Vuelta a España (1957 und 1958)
  • Sieger der Bergetappen beim Giro d’Italia 1956
  • 2x Sieger der Asturien-Rundfahrt 1955 und 1957
  • Spanischer Straßen-Meister 1958

Vuelta de Espana

Ein weiteres „Highlight“ seiner Karriere war die Vuelta a España, die er zwar nie gewinnen konnte, 1960 jedoch kurz davor stand. Er war auf dem besten Wege dorthin den Titel zu gewinnen, als die Rennleitung ein unfaires Spiel mit einem seiner Helfer trieb und diesen für die Tour suspendierte.

Bahamontes konnte dies jedoch nicht akzeptieren und drohte mit Rennaufgabe, sollte das Urteil nicht zurückgenommen werden. Da sowohl die Rennleitung als auch Bahamontes stur blieben, sorgte der Radprofi für einen weiteren Skandal in seiner Karriere und ließ sich während des nächsten Rennens soweit zurückfallen, dass seine Zieleinfahrt erst eine Stunde nach dem Hauptfeld verbucht werden konnte. Damit brach er mit den Veranstaltern der Rundfahrt und sollte in der Folge auch nie mehr daran teilnehmen.

Karriereende und Folgezeit

1965 beendete der Adler von Toledo seine Profikarriere und wurde erfolgreicher Geschäftsmann im Bereich des Sportartikelvertriebes. Zudem organisierte er weiterhin einige Rad- und Etappenrennen in seiner Heimatregion. Erst nach Beendigung der Etappe der Vuelta de Toledo im Jahr 2015 überreichte er anderen Organisatoren das Zepter, was in seinem Alter von 87 Jahren nicht überraschend anmutet.

Auch wenn Bahamontes nicht die große Anzahl an Titeln aufweisen kann, so ist er doch eine der markantesten und geschichtsträchtigsten Figuren des Profiradsports, insbesondere durch die vielen charakterstarken Entscheidungen die er während der Rennen traf.

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