Spaniens Fahrradhauptstadt – Vitoria-Gasteiz, das Zentrum ohne Autos

Viele Städte in Europa versuchten in den letzten Jahren, fahrradfreundlicher zu werden. Das größte Wachstum im Radverkehr verzeichneten aber keine Metropolen, wie Berlin oder London, sondern das nordspanische 240.000 Einwohner starke Vitoria-Gasteiz.

Die Fahrradhauptstadt wurde innerhalb weniger Jahre zum Fußgängerparadies, zur Umweltmetropole und zum Gewinner in der Kategorie nachhaltige Mobilität. Davon profitieren nicht nur die Bewohner, sondern auch die Besucher der Stadt.

Ein Verkehrskonzept, das Sinn macht

Mehr als 90 Prozent der Einwohner von Vitoria-Gasteiz leben zentrumsnah in der Stadt. Der Fußverkehrsanteil im Ort liegt bei 50 Prozent und ist damit im Vergleich zu anderen Städten recht hoch. Schon zu Beginn der Umstrukturierung der Verkehrswege war somit klar: Der Radverkehrszuwachs durfte auf keinen Fall die Fußgänger beeinflussen.

Das Resultat war ein umfangreicher Ausbau von Straßenbahn- und Buslinien. Autos wurden durch Fahrverbote völlig aus der Innen- und Altstadt verbannt und der Radverkehr wurde durch zusätzliche Radwege bewusst gefördert.

Vitoria-Gasteiz ist heute eine Metropole, die an Fahrrad- und Fußwegen ausgerichtet ist. Selbst die Stadtoberen der Basken-Hauptstadt meinen: „Niemand braucht ein Auto in dieser Metropole.“

Die Geschichte hinter dem Konzept

Das innovative Verkehrskonzept der Stadt begann im Jahr 2014. Damals erhielt jeder Bewohner des Ortes ein kleines Faltblatt, auf dem neue Verkehrsregeln vermerkt waren. Auf insgesamt 47 Straßen von Vitoria-Gasteiz galt nun beispielsweise das Tempolimit 30.

Autofahrer mussten den Radfahrern außerdem Vorrang gewähren und durften die Fuß- und Gehwege nicht mehr benutzten. Die Parkgebühren im Stadtzentrum wurden um das Dreifache erhöht und die Parkplätze in Einbahnstraßen wurden in Radwege umgewandelt.

Das Konzept der Planer

Die Autos sollten Stück für Stück aus der Innenstadt verschwinden und Radfahrern und Fußgängern Platz machen. Damit folgte die Stadt dem weltweiten Umwelt- und Mobilitätstrend. Das Konzept ging auf. Die Zahl der Fußgänger nahm in den folgenden Jahren stetig zu und die Zahl der Autofahrer sank um 25 Prozent. 12,3 Prozent der Verkehrsteilnehmer in Vitoria-Gasteiz sind nun täglich mit dem Rad unterwegs.

Grüne Umwelt ohne Abgase

Vitoria-Gasteiz liegt 500 Meter über dem Meer zwischen grünen Wäldern und fantastischen Berglandschaften. In einem Umkreis von 400 Metern finden Besucher überall in der Stadt und außerhalb des Ortes Grün- oder Parkanlagen.

Touristen und Anwohner können sich außerdem ganz ortsnah in Bildungs-, Gesundheits-, Sports- und Freizeiteinrichtungen vergnügen. Alle Gebäude sind leicht zu Fuß oder nach Bedarf mit dem Rad zu erreichen. Da im Zentrum der Stadt sowieso ein allgemeines Fahrverbot herrscht, wird das Auto überflüssig.

Vitoria-Gasteiz putzt sich heraus

Die gesamte Innenstadt von Vitoria-Gasteiz ist mit Rolltreppen und Fahrstühlen ausgestattet. Überall auf den Straßen befinden sich Mülltonnen und Müllschlucker, die dafür sorgen, dass der Abfall immer und zu jeder Zeit fachgerecht entsorgt werden kann. Da sich der Ort zudem auf einem Hügel befindet, ist es möglich, nach langen Radtouren auch tolle Aussichten um die Stadt herum zu genießen.

Die Fahrradhauptstadt mit Zentrum ohne Autos bietet Besuchern eine abgas- und lärmfreie Umwelt, die zum Entspannen und Erholen, allem voran allerdings zum Radfahren einlädt. In Vitoria-Gasteiz werden Fußgänger rücksichtsvoll behandelt. Die gesamte Stadt wirkt entschleunigt.

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