Pilgern mit dem Fahrrad - Camino Francés von León bis Santiago de Compostela

Es heißt zwar, dass der „echte“ Pilgerweg nur zu Fuß erlebbar ist, dennoch kommt es immer häufiger vor, dass Pilger den Jakobsweg auch mit dem Rad bestreiten. Etwa 10% der Pilger absolvieren den Camino de Santiago per Fahrrad. Das entspricht etwa 20.000 Pilgern pro Jahr. Das Pilgern mit dem Rad unterscheidet sich zwar sehr von dem Fußpilgern, doch wer leidenschaftlich mit dem Rad fährt, sollte es ausprobieren.

Pilgern mit dem Fahrrad

Viele sagen, dass der 321 km lange Radweg mit einem Höhenunterschied von 1070 m von León nach Santiago de Compostela einer der schönsten Radrouten Europas ist. Umgeben von schöner Natur, der frischen Luft, etlichen Pilgern und ein weit entferntes Ziel vor Augen, bringen ihren ganz eigenen Charme mit sich.

Das Unterwegssein auf dem über tausend Jahre alten Pilgerweg sorgt nicht nur für Entspannung, Entschleunigung und Hilfe zur Selbstfindung, sondern bringt einen auch an die eigene Belastungsgrenze. Um am Ziel die begehrte Pilgerurkunde, die Compostela, zu erhalten, muss man mindestens 200 km auf dem Jakobsweg geradelt sein und dies durch Stempel, die in den Herbergen erhältlich sind, in seinem Pilgerausweis belegen können.

Tagesetappen

Anders als zu Fuß ist es mit dem Rad möglich, Tagesetappen von 40- 80 km und somit weite Strecken, zurückzulegen. Das Ziel kann so zwar wesentlich schneller erreicht werden, der Weg wird unter Umständen allerdings nicht so intensiv wahrgenommen wie zu Fuß. Dank des guten Wegprofils bringt das Radfahren auf der Pilgerroute keine großen Umstände mit sich. Der Schwierigkeitsgrad liegt etwa bei drei von fünf und weist somit ein moderates Level auf.

Die Radroute durch Spanien ist nicht vollkommen übereinstimmend mit der Wanderstrecke, verläuft weitestgehend aber identisch oder parallel zum Camino Francés. Als Radweg heißt er Eurovelo 3. Die wenigen Abweichungen vom Wanderpilgerweg auf nebenführende Straßen, sind oftmals mit der Aufschrift „Bicicleta“ für die Radpilger gekennzeichnet.

Radpilgern, nicht immer einfach

Eine der Besonderheiten als Radfahrer auf dem Pilgerweg stellt die unterschiedliche Behandlung von Fuß- und Radpilgern dar. Da die Fußpilger in den Herbergen vorrangig behandelt werden, kann es für Radfahrer schwierig werden, ein Bett in diesen zugeteilt zubekommen. Als Lösung für dieses Problem bietet es sich an, ein Zelt mitzunehmen.

Eine Schlafgelegenheit ist somit immer gewährleistet und das zusätzliche Gewicht ist auf dem Fahrrad nicht von großer Bedeutung. Um sein Rad erst einmal nach Spanien zu bekommen, kann man entweder direkt von zu Hause aus starten oder man fliegt zu dem Startpunkt der Pilgerroute. Als Sportgepäck angemeldet, zahlt man bei den Fluggesellschaften um die 60 Euro zusätzlich pro Flug.

Auf der schönen Tour von León nach Camino de Santiago gibt es einiges zu sehen. Wer nicht nur zügig ins Ziel kommen möchte, sondern Abenteuer, Erlebnisse, Bilder und Eindrücke mit nach Hause nehmen möchte, der sollte ausreichend Zeit einplanen, um die Sehenswürdigkeiten und die artenreiche Natur zu bewundern. Bereits in León kann die erste Attraktion bewundert werden. Die große Kathedrale Santa María de Regla, ist ein wahrer Blickfang.

Die bunten Fenster aus der Zeit des Mittelalters, versetzen einen weit zurück in die Vergangenheit. Die Reise in die Vergangenheit geht in der rund 100 km entfernten Hauptstadt der Region El Bierzo, Ponferrada, weiter. Die mittelalterliche Burg der Templer in der Industriestadt, die in einer schönen Landschaft liegt, lockt aufgrund der nahen Lage zum Jakobsweg viele Pilger an.

Der weitere Weg

Auf dem weiteren Weg Richtung Triacastela, werden einige, kleine Dörfer durchquert, die mit ihrer Gemütlichkeit locken. Ungefähr 40 km weiter erreicht man Portomarín mit seinen engen, romantischen Gassen und den schönen Kirchen. Der Weg dorthin führt über idyllische Waldwege und ist insbesondere für Naturliebhaber sehenswert. Kurz vor dem Ziel bietet sich ein Halt in Rua an, um aus dem heilenden Brunnen des Barocks zu trinken und den Altar bei Santa Irene zu bestaunen.

Je nach Geschwindigkeit und Zeit, wird nach circa 7 Tagen das Ziel und UNESCO Weltkulturerbe, Santiago de Compostela, erreicht. Es empfiehlt sich zunächst den „Berg der Freude“ Monte del Gozo zu erklimmen, um von dort aus, einen ersten Ausblick auf Santiago zu erhaschen.

Eine Pilgerreise mit dem Fahrrad lohnt sich nicht nur für Menschen, die z. B. aus Zeitgründen, schneller an ihr Ziel gelangen wollen, sondern auch für diejenigen, für die Radfahren eine Passion ist.

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