Das Leben des Radrennfahrers Jan Ullrich

Er wird für immer ein Teil der Geschichte des deutschen Radsports sein: Jan Ullrich. Als erster und bislang einziger Deutscher gewann der gebürtige Rostocker das bedeutendste Radrennen der Welt, die Tour de France. Hinzu kamen weitere große Erfolge. Doch Ullrich machte auch negative Schlagzeilen, unter anderem als Dopingsünder.

Die Anfänge

Jan Ullrich wurde 1973 in Rostock geboren. Sein erster Verein war die SG Dynamo Rostock, für die er 1983 sein erstes Rennen gewann. 1985 stieg er sowohl bei einem Rennen in Warnemünde als auch bei einem Querfeldeinrennen in Parchim als Sieger vom Rad. 1987 schloss sich Ullrich dann dem SC Dynamo Berlin an. In der Folge feierte er mehrere Jugendmeistertitel.

Nach der Wiedervereinigung folgten weitere Erfolge. 1993 gelang dem Rostocker sein bislang größter Triumph: Er gewann den Titel bei der Straßen-Weltmeisterschaft der Amateure, die in Oslo ausgetragen wurde.

1994 belegte Ullrich dann den dritten Platz bei der Zeitfahrweltmeisterschaft. Ein Jahr später trat er in die Dienste des Team Telekom. 1996 nahm Ullrich dann erstmals an der Tour de France teil. Eigentlich sollte er nur seinen Teamkapitän, den Dänen Bjarne Riis, unterstützen. Tatsächlich gewann Riis am Ende auch die Tour. Den zweiten Platz in der Gesamtwertung belegte völlig überraschend Jan Ullrich. Mit dem Sieg im letzten Zeitfahren der Tour gewann der Rostocker seine erste von insgesamt sieben Etappen bei der Frankreich-Rundfahrt.

Das gelbe Trikot

Auch 1997 nahm Ullrich eigentlich nur als Helfer von Bjarne Riis bei der Tour de France teil. Doch es sollte sich bald herausstellen, dass der Deutsche besser in Form war als der Däne und in der Lage war, die Rundfahrt zu gewinnen. Mit dem Sieg bei einer Bergankunft in Arcalis eroberte Ullrich erstmals das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Nun war der Rostocker nicht mehr zu stoppen. Ullrich gewann noch ein Zeitfahren und sicherte sich schließlich souverän den Tour-Sieg.

1998 wollte Ullrich seinen Titel bei der Tour de France verteidigen. Er fuhr auch einige Tage im Gelben Trikot, erlitt dann aber bei einer Bergetappe einen Einbruch, wodurch er viel Zeit auf den Italiener Marco Pantani verlor. Ullrich schaffte es im weiteren Verlauf der Rundfahrt nicht, den Rückstand auf Pantani aufzuholen und musste sich am Ende mit dem zweiten Rang in der Gesamtwertung begnügen.

Rennen in Spanien

1999 triumphierte der Deutsche bei der Vuelta a España und der Zeitfahr-WM. 2000 gewann Ullrich bei den Olympischen Spielen in Sydney Gold im Straßenrennen und Silber im Zeitfahrwettbewerb. 2000 und 2001 belegte er in der Gesamtwertung der Tour de France jeweils den zweiten Platz hinter dem damals übermächtigen Amerikaner Lance Armstrong. Inzwischen ist bekannt, dass Armstrong bei jedem seiner sieben Tour-Siege gedopt war.

Doping spielte auch in Jan Ullrichs Lebenslauf eine Rolle. 2013 wurde bekannt, dass er bei der Tour de France 1998 mit EPO gedopt war. 2002 wurde der Rostocker für ein halbes Jahr gesperrt, da er positiv auf Amphetamine getestet worden war.

Sein Kontrahent

2003 lieferte sich Ullrich, der mittlerweile für das Team Bianchi fuhr, dann mit Lance Armstrong erneut ein packendes Duell um den Tour-Sieg. Am Ende musste sich der Deutsche zum insgesamt fünften Mal mit dem zweiten Rang in der Gesamtwertung zufriedengeben. 2006 kam es dann aber zu einem erneuten Tiefpunkt. Einen Tag vor dem Beginn der Tour de France wurde Ullrich von der Teilnahme ausgeschlossen. Im Februar 2007 gab der Rostocker dann das Ende seiner aktiven Laufbahn bekannt.

Negativschlagzeilen

Aufgrund von Doping wurden Jan Ullrich 2012 sämtliche ab dem 1. Mai 2012 errungenen Erfolge aberkannt, darunter der Sieg bei der Tour de Suisse 2006. 2013 gab der Deutsche erstmals zu, in seiner aktiven Laufbahn gedopt zu haben.

In den vergangenen Jahren sorgte Ullrich mehrfach für negative Schlagzeilen, unter anderem, als er 2018 auf dem Grundstück des Schauspielers Til Schweiger unter Alkoholeinfluss randalierte. Was bleibt, ist ein zwiespältiges Bild: Auf der einen Seite der große Sportheld, auf der anderen Seite der Dopingsünder, der bisweilen auch auf andere Art unrühmlich auf sich aufmerksam machte.

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