Didi Senft - Velodesigner, Vordenker und Exzentriker

Dieter „Didi“ Senft, unter den Radsportfans besser bekannt als „Didi the Devil“ oder „El Diablo“, ist das wohl berühmteste Maskottchen der internationalen Rennradszene. Man kennt ihn als den Mann im Teufelskostüm, der die Rennradfahrer auf ihren letzten und anstrengendsten Kilometern anfeuert.

Doch verbirgt sich unter der Mütze mit den Teufelshörnern nicht nur ein humorvoller, sondern auch ein genialer Kopf: Didi Senft erfand und baute schon zu DDR-Zeiten die aberwitzigsten und kreativsten Fahrradkonstruktionen, die ihn bis heute zu einem einmaligen Künstler machen und ihm sogar einen Platz im Guinness-Buch der Rekorde verschafften.

Aus dem Leben eines brillanten Erfinders

Am 7. Februar 1952 erblickte Didi als Dieter Senft in Reichenwalde bei Berlin, nahe dem berühmten Scharmützelsee, das Licht der Welt.

Schon in jungen Jahren interessierte er sich für den Radsport. Er trainierte viel und nahm schließlich an Radrennen teil, wobei er mehrfach Bezirksmeister wurde.

Aber auch das Basteln und Tüfteln am Fahrrad begann er bereits zu DDR-Zeiten: Mit 24 Jahren baute er sein erstes „Themenfahrrad“, ein Vehikel mit eingebautem Bierkasten für den Vatertag. Hauptberuflich fuhr er nicht als Rennradfahrer für die DDR, er erlernte zunächst das Handwerk des Karosseriebauers.

Als es mit der Wende möglich wurde, die großen, internationalen Radrennen als Privatperson zu besuchen, setzte Didi Senft vorzeitig eine Idee in die Tat um, die er sich ursprünglich für das Rentenalter vorgenommen hatte: 1993 nahm er an der Tour de France teil, jedoch nicht, um den ersehnten Pokal zu ergattern, sondern um Spaß zu haben.

Auf einem selbst erbauten Tandem saßen er und seine Ehefrau Margitta und strampelten auf der letzten Etappe kräftig mit, wobei Margitta nur rückwärtig die andorranische Landschaft genießen konnte, da ihr Sattel falsch herum montiert war und auch ihre Pedale rückwärts liefen.

Seit dieser witzigen Einlage konnte man Didi Senft auf jedem großen Radrennen erwarten. Verkleidet als Teufel mischte er sich, jedes Jahr mit einem neu designten Fahrrad ausgestattet, unter die Radprofis, feuerte sie an, stach mit seinem Dreizack nach ihnen, schnitt die wildesten Grimassen und brachte sie auf alle erdenklichen Arten zum Lachen.

Die Tour de France

Zur 100. Tour de France 2013 etwa erschien er mit einem Liegefahrrad, auf dem ein knapp sechs Meter hoher Eiffelturm thronte, garniert mit 55 Trinkflaschen, die Tour-de-France-Teilnehmer in den letzten Jahren weggeworfen und die Didi aufgesammelt hatte. Natürlich auch hier wieder mit Teufelskappe, rotem Mantel, Dreizack und einem dicken Grinsen im Gesicht ausstaffiert.

Über 200 Modelle hat Didi Senft mittlerweile erdacht und zusammengebastelt, 17 davon wurden in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen, beispielsweise das mit 7,80 Metern längste Fahrrad der Welt oder das weltweit größte Fußball-Velo mit 30 Bällen an jedem Rad und einem als Sattel.

Heute lebt und arbeitet Didi Senft unweit seiner Geburtsstadt Storkow, wenn er nicht gerade mit seinem alten VW-Bus zum nächsten Radrennen tourt.

Die seltsamsten Fahrräder der Welt

Was sind das nur für Konstruktionen, die Didi Senft da jedes Jahr in seiner märkischen Halle zusammenbastelte?

Von übermannshoch bis winzig klein, thematisch ausgestattet oder abstrakt verformt bis nicht fahrbar (außer für Didi), so könnte man die Fahrräder beschreiben, die Didi Senft kreierte.
Da gibt es das „Klo auf Rädern“, dessen Sattel als Toilette dienen kann.

Oder das dem Erfinder des Laufrads, des Vorgängers unseres Pedalfahrrads, Karl von Drais gewidmete Holz-Fahrrad. Weiterhin das winzig kleine Pfennig-Bike oder das „Luther-Mobil“, ein Dreirad, auf dessen rückwärtig mitgeführtem Häuschen der interessierte Betrachter die 95 Thesen des berühmten Reformators nachlesen kann.

Unglaublich kreativ und vielfältig schweißte und hämmerte der passionierte Tüftler seine Räder zusammen, keines glich dem anderen.

Das Museum

Schließlich eröffnete Didi Senft 2004 auf seinem eigenen Grundstück ein Museum, um seine verrückten Fahrräder jedem Interessierten zugänglich zu machen. Doch nach dem Ansturm der ersten Jahre blieb das zahlende Publikum zunehmend aus, 2017 musste das Museum aufgrund Besuchermangels schließen.

Didi Senft aber ist immer noch aktiv: Um die ganze Welt jettet der berühmte Fahrradteufel und sucht nach die berühmten Radrennen heim, aber auch andere Großevents wie Fußballweltmeisterschaften oder Olympia.

Ausweisen muss er sich im Flieger oft nicht mehr, alle Welt kennt Didi. Die französische, englische, amerikanische Presse, alle haben über ihn und seine aufsehenerregenden Auftritte geschrieben. Doch sein Zuhause ist dort, wo seine Wurzeln sind – in der Mark Brandenburg.

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